Family Offices als neue Lead Investoren: Wandel im Schweizer Beteiligungsmarkt
13.01.2026
Wer den Schweizer Beteiligungsmarkt in den letzten Monaten beobachtet, erkennt eine klare Verschiebung. Family Offices treten zunehmend nicht mehr nur als stille Mitinvestoren auf, sondern als aktive Lead Investoren. Sie initiieren Deals, strukturieren Beteiligungen, setzen Themen und bringen weitere Kapitalgeber an den Tisch. Diese Entwicklung verändert den Markt spürbar, und sie dürfte 2026 nochmals deutlich an Dynamik gewinnen.
Family Offices waren zwar schon immer präsent, aber oft bewusst zurückhaltend. Viele Unternehmerfamilien hielten grosse Teile ihres Vermögens in Immobilien, liquiden Anlagen oder einzelnen Beteiligungen aus dem eigenen Netzwerk. Dieses Muster verändert sich, weil sich das Umfeld verändert hat. Börsen bleiben volatil, geopolitische Spannungen wirken direkt auf Stimmungen, und klassische Diversifikation fühlt sich für viele Anleger weniger verlässlich an als früher. In der Schweiz führt das zu einer Rückbesinnung auf Substanz, Kontrolle und nachvollziehbare Wertschöpfung.
Private Equity passt genau in diese Logik. Beteiligungen ermöglichen nicht nur Rendite, sondern Einfluss, Stabilität und langfristige Entwicklung. Viele Family Offices verstehen Beteiligungen intuitiv besser als reine Finanzprodukte, weil sie selbst aus Unternehmertum heraus entstanden sind. Sie wissen, dass Wert selten in Quartalen entsteht, sondern in Jahren. Genau deshalb sind sie prädestiniert, aktivere Rollen zu übernehmen.
Ein Lead Investor zu sein, ist jedoch mehr als nur ein grösseres Ticket zu schreiben. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Man definiert Strukturen, setzt Governance, gestaltet Konditionen und führt oftmals auch die Kommunikation mit weiteren Investoren. Dass Family Offices diese Rolle zunehmend übernehmen, hängt stark mit ihrer Professionalisierung zusammen. Viele haben in den letzten Jahren ihre Organisation ausgebaut, Investmentprozesse eingeführt und internes Know-how aufgebaut. Statt reiner Vermögensverwaltung agieren sie heute wie schlanke Investmenthäuser.
In der Schweiz kommt ein weiterer Faktor hinzu. Der Markt ist vertrauensgetrieben. Unternehmer verkaufen nicht einfach an den Höchstbietenden, sondern an Partner, bei denen sie das Gefühl haben, dass das Unternehmen verstanden und respektiert wird. Family Offices punkten hier mit Nähe, Kulturverständnis und einem langfristigen Blick. Gerade bei KMU-Beteiligungen oder Nachfolgethemen entsteht dadurch ein klares Momentum, weil Unternehmerfamilien als Gegenpartei häufig als glaubwürdiger empfunden werden als rein institutionelle Investoren.
Auch im Venture Capital Bereich übernehmen Family Offices häufiger Lead Rollen, insbesondere in ausgewählten Segmenten mit hoher Substanz. In der Schweiz betrifft das vor allem Deep Tech, Medtech und andere technologiegetriebene Modelle, die aus Forschung oder industriellen Problemstellungen heraus entstehen. Viele Unternehmerfamilien investieren dort bewusst, weil sie Innovation als strategische Ergänzung ihres Portfolios sehen. Wichtig ist dabei: Der Fokus liegt weniger auf Hype, sondern auf technologischer Differenzierung und realer Marktnachfrage.
Diese Entwicklung verändert die Dealmechanik. Wenn Family Offices führen, sind Transaktionen oft flexibler strukturiert. Haltedauern sind tendenziell länger. Der Exit Druck ist geringer. Gleichzeitig steigen aber auch die Erwartungen an Professionalität. Ein Lead Investor muss sauber prüfen, klar führen und in kritischen Momenten entscheiden können. Genau hier zeigt sich, dass der Trend zu Lead Rollen nicht nur Ausdruck von Mut ist, sondern auch von gewachsener Kompetenz.
Für den Schweizer Markt ist das eine positive Entwicklung. Mehr aktive Lead Investoren bedeuten mehr Stabilität im Kapitalfluss, mehr Vielfalt in den Dealstrukturen und eine stärkere Verankerung von Unternehmerkapital im Private Equity und Venture Capital Umfeld. Family Offices werden damit zu einem der zentralen Taktgeber im Schweizer Beteiligungsmarkt, nicht als Randakteure, sondern als gestaltende Kräfte.