Beteiligung statt Kredit: Warum Unternehmer bei der Expansion zunehmend auf Eigenkapitalpartner setzen
21.11.2025
Immer mehr Unternehmer in der Schweiz merken, dass klassische Bankkredite ihre Grenzen haben. Nicht wegen fehlender Zahlungsfähigkeit, sondern wegen des Umfelds, in dem Unternehmen heute wachsen. Expansion bedeutet oft mehr als eine neue Maschine oder ein zusätzlicher Standort. Es geht um Internationalisierung, Digitalisierung, operative Skalierung und schnellere Entscheidungszyklen. Genau an diesem Punkt verändert sich das Verhalten vieler Schweizer KMU spürbar. Statt weitere Kredite aufzunehmen, suchen sie gezielt nach Eigenkapitalpartnern.
Der Grund dafür ist erstaunlich simpel. Ein Kredit finanziert, ein Beteiligungspartner entwickelt. Und diese Entwicklung ist in vielen Branchen erfolgsentscheidend geworden. Wer in neue Märkte eintritt oder ein Produkt global skalieren will, braucht nicht nur Kapital, sondern Know-how und Erfahrung. Private Equity und Growth-Investoren bieten genau das. Sie bringen Strukturen mit, die ein Unternehmen auf das nächste Level heben. Das reicht von Governance über Reporting bis hin zu strategischen Entscheidungen, die den Unterschied zwischen lokalem Wachstum und internationalem Erfolg ausmachen. Viele Unternehmer haben lange gezögert, weil sie die Kontrolle über ihr Unternehmen nicht teilen wollten. Dieses Bild beginnt sich zu verändern. Heute steht stärker die Frage im Raum, wie man Wert schafft und wie man ein Unternehmen zukunftsfähig macht. Es geht weniger um Macht und mehr um Perspektive. Beteiligungspartner werden nicht als Störfaktor wahrgenommen, sondern als Verstärker in Momenten, in denen das Management an seine operativen Grenzen kommt.
Bemerkenswert ist, wie breit dieser Trend inzwischen geworden ist. Nicht nur Technologieunternehmen suchen Eigenkapital. Auch Industrie, Produktion, Medtech, Cleantech und spezialisierte Dienstleistungen nutzen zunehmend Private Equity als Wachstumsinstrument. Die Schweiz bietet dafür ein ideales Umfeld. Klare Regulierung, stabile Eigentümerstrukturen und ein starkes Netzwerk an Investoren schaffen Vertrauen. Unternehmer wissen, worauf sie sich einlassen, und Investoren wissen, dass sie mit realer Substanz arbeiten.
Ein grosser Vorteil der Eigenkapitallösung liegt in der Flexibilität. Ein Kredit muss amortisiert werden. Ein Beteiligungspartner investiert langfristig und denkt in Horizonten, die über die nächste Bilanz hinausgehen. Das schafft Raum für strategische Entscheidungen, die nicht von kurzfristigen Liquiditätsthemen getrieben sind. Es ermöglicht Investitionen in Innovation, die sich erst später auszahlen. Und es reduziert den Druck, den Banken naturgemäss ausüben, wenn Sicherheiten und Covenants im Mittelpunkt stehen.
Für Investoren wiederum ist genau diese Dynamik attraktiv. Ein Unternehmen in der Schweiz, das gesund ist, klare Strukturen hat und vor einem Wachstumsschritt steht, bietet eine Investmentchance, die sich mit Venture Capital oder internationalen Deals kaum vergleichen lässt. Die Risiken sind greifbarer, die Geschäftsmodelle sind robuster und die Eigentümer oft hochkompetente Fachleute mit jahrzehntelanger Erfahrung. Private Equity wird so zu einem Instrument, das beiden Seiten echte Vorteile bringt.
Hier zeigt sich ein entscheidender Punkt. Diese Art von Investment ist persönlicher. Sie baut auf Vertrauen auf, und sie funktioniert nur, wenn Unternehmer und Investoren ein gemeinsames Verständnis für Strategie und Tempo haben. Viele Deals entstehen nicht aus öffentlichen Prozessen, sondern aus Gesprächen, Empfehlungen und langfristigen Beziehungen. Die Nähe zwischen Unternehmern und Kapitalgebern ist ein Grund, weshalb Beteiligungen in der Schweiz so gut funktionieren.
Ein weiterer Aspekt ist die Nachfolge. Viele Unternehmer stehen vor der Frage, wie sie ihr Lebenswerk erhalten können, ohne es komplett zu verkaufen. Beteiligungsmodelle bieten hier clevere Lösungen. Sie ermöglichen Liquidität, sichern die Zukunft des Unternehmens und behalten gleichzeitig Einfluss und Verantwortung im Eigentümerkreis. Private Equity wird dabei oft als Partner gesehen, nicht als Käufer. Dieser Unterschied ist für Schweizer Unternehmer zentral.
Am Ende zeigt sich ein klares Muster. Die Expansion eines KMU wird heute nicht mehr nur über Fremdkapital geprägt. Sie wird zu einer strategischen Entscheidung, die über die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens entscheidet. Beteiligungspartner bringen Kapital und Kompetenz in einer Kombination, die ein Kredit nie leisten kann.
Für die Schweiz ist das eine gute Entwicklung. Sie verbindet unternehmerische Tradition mit moderner Investmentlogik. Und sie schafft Möglichkeiten, die weit über reine Finanzierungen hinausgehen. Genau das macht Eigenkapitalpartnerschaften zu einem der relevantesten Wachstumstreiber im Schweizer Markt.